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Lang, lang ist's her.

Ja. ja. lang ist es her, dass ich gebloggt habe. Doch ich hole nicht weiter aus, sondern beginne gleich mit dem schönsten Ereigniss dieses Sommers- direkt ein Wochenende nach meinem Geburtstag, oder besser an dem darauf folgenden Sonntag.

Pünktlich um 06. Uhr klingelt mein Wecker. Todmüde dreh ich mich noch mal um. Doch daraus wird nichts. Irgendetwas in mir ist schon hellwach und hält mich davon ab meine Augen zu schließen. Also setze ich mich auf, werf die Decke zur Seite und klettere mein Hochbett hinunter. Als erstes werfe ich den PC an und einen Blick auf die Nachrichten. An Wochenenden mein übliches morgendliches Ritual. Nicht viel neues, im Grunde genommen nichts neues für mich. Ich schalte Musik ein und begebe mich mit meinen Klamotten ins Bad. Es dauert keine halbe Stunde und ich komme komplett fertig wieder hinaus. Meine nassen Haare zu einem leichten Zopf gepflochten. Ich schaue aus dem Fenster und blicke dabei auf die Uhr. Eigentlich müsste jetzt ein Bus hier vorbei fahren. Aber es ist weit und breit kein Auto in Sicht und erst recht kein Bus. Achsel zuckend setze ich mich wieder an meinen Computer und schalte mein ICQ so wie den Nasa Funk ein. Alles ist ruhig. Niemand ist On und auch die Jungs und die Lady dort oben auf der ISS schlafen noch.- Kein Wunder, arbeiteten sie doch noch als ich den PC herunter fuhr um schlafen zu gehen. Sechs einhalb Stunden sind seid her vergangen. Und acht Stunden Schlaf müssen selbst im All sein. Nach kurzer Zeit fahre ich den PC wieder hinunter. Kurz darauf schnappe ich meine Sachen und gehe außer Haus. Und auch um kurz nach acht ist kein Bus zu sehen. >> Es ist kurz nach acht, kein Bus kommt, selbst unsere Pfarrer schlafen noch. Und wer ist so verrückt und als einzige Sonntags morgens in diesem Kaff auf der Straße?!- Natürlich ich.<< Achsel zuckend und leise fluchend mach ich mich also auf den Weg ins Dorf. Auch hier soll der Bus erst gegen neun kommen. Innerlich fluche ich nochmals energisch gegen die Vestische und laufe ein paar Bushaltestellen weiter. Doch weit komme ich nicht. Die Ruhe und die Tatsache, dass sogut wie keine Autos zu dieser frühen Stunde unterwegs sind laden mich dazu ein langsamer als sonst zu gehen und die Ruhe zu genießen. Ich bin die Ruhe selbst, kein bischen aufgeregt. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich heute nicht zum ersten Mal nach Köln zum DLR fahre. Ist es für mich etwa schon zur Gewohnheit geworden nach Köln zu fahren?- Nein, eigentlich nicht, schon immer war es für mich wie Weihnachten wenn ich nach Köln zum DLR fuhr. Und so würde es auch diesmal sein. Dass ich nicht nervös bin bedeutet noch lange nichts. Hier und da huschen ein paar Katzen über die leere Straße. An einer der Haltestellen bleib ich stehen, nach 10 Minuten kommt der Bus. Ich lehne meinen Kopf leicht gegen die Scheibe und schließe meine Augen. Auch am Bahnhof ist fast keine Menschenseele. Ich ziehe mein Ticket und gehe zum Bahnsteig. Von dort aus geht alles rasend schnell und ehe ich mich versehe stehe ich in Köln am Bahnhof. Ein Blick auf den Kölner Dom und ich strahle noch mehr. >> Was wohl meine ehemaligen Schulkollegen jetzt wohl von mir halten würden, würden sie mir heute hier begegnen?<< Ja, wir werden alle nicht jünger.  Doch auch ich würde mir selbst gegenüber heute noch die selbe Frage stellen. Ich steige in den ankommenden Zug Richtung Köln- Porz. Innerhalb einer viertel Stunde stehe ich mit ca. geschätzten 1000 Leuten an einer Bushaltestelle und stelle mir die Frage: >> Die wollen doch nicht alle zum DLR oder?!<< Ohhhh doch! Weil sie alle den selben Bus nehmen, genau wie ich, nämlich dem der nur zum DLR- Gelände fährt. >> Echt super!-.-°<< denke ich mir und quetsche ich mich mit den anderen in den Bus. Nun  wurde mir der Vorteil den ohne Ann und Lynn gefahren zu sein klar. Außer mir, wäre keine von beiden freiwillig in diesen Bus eingestiegen. Wo kommen die blos alle her? Das ganze Jahr über sieht man und hört man nix von Freaks wie mir und aufeinmal sind sie alle auf dem Weg nach Köln zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Nach gefühlten Stunden in dieser Enge kommen wir endlich an, den Gedanken endlich einen Führerschein zu machen um dieses Problem im darauf folgenden Jahr nicht mehr zu haben habe ich schon längst wieder verworfen, denn auf den Parkplätzen im Umkreis von ungefähr fünf Kilometern oder mehr sind alle Parkplätze ausnahmslos belegt. Ich steige also aus dem Bus und mache mich mit dem Strom auf den Weg. Sofort fühle ich mich wie zu Haus. Das Geräusch von Rotorblättern und Flugzeugmotoren und der Geruch von Kerosin- ich bin zu Hause, wenn auch nur für einen Tag. Zielsicher laufe ich zum European Astronaut Centre. Da Hans Schlegel da ist, gehe ich davon aus, dass auch seine Frau Heike Schlegel- Walpot da sein wird. Seid ich 12 oder 13 Jahre alt war, war sie mein Vorbild und ist es bis heute irgendwie immer noch ein wenig geblieben. Aber dies sollte nicht der einzige Grund sein weshalb ich gerade zum EAC will. Im EAC laufen praktisch alle Fäden was die bemannte Raumfahrt angeht zusammen. Am EAC angekommen gehe ich nich wie die zwei Jahre zuvor durch den Haupteingang, sondern gleich ums Gebäude in einen Nebeneingang und lande in einer großen Halle. Hier stehen verschiedene Trainingsmodule unteranderem, ein Nachbau des Columbus. Welches nun 350 Kilometer über unseren Köpfen an der ISS über unseren Köpfen kreist. Ich schaue mich in der Halle um. An einer Menschentraube sehe ich wo sich unsere neuen Astronauten gerade aufhalten. Doch meine Aufmerksamkeit ruht auf einem Plakat. "Flight nurse" steht da. Zufall oder Schicksal, frage ich mich. Denn neben meiner Leidenschaft zur Raumfahrt pflege ich einen Fäbel für Medizin und Gesundheitswissenschaften. Und auch die medizinischen Utensilien für den Noftall im All ziehen meine Aufmerksamkeit mehr in den Bann als die beiden Herren die genau neben den Schränken,indem diese Utensilien ausgestellt sind, stehen. Obwohl es sich bei diesen beiden Herrschaften um Reinhold Ewald und Hans Schlegel, zwei Astronauten handelt. Als ich den Satz :"Wo ist deine Frau? Seht ihr euch überhaupt noch?", aufschnappe bin ich sofort mit einem Ohr bei dem Gespräch zwischen Hans Schlegel und seinen Bekannten. >> Natürlich... seine Frau Heike kann nur in Houston sein. Wie konnte ich diese Möglichkeit nicht in Betracht ziehen?<< Die meiste Zeit verbrachte die Familie Schlegel- Walpot mittlerweile in Houston. Auch wenn Heike Schlegel- Walpot als Lufthansa- Pilotin über ganz Europa flog. Nun weiss ich schon mal, dass seine Frau heute nicht hier sein würde. Schade. Doch dadurch lass ich mich nicht entmutigen, schließlich bin ich ja nicht nur wegen ihr hier. Ich mache mich weiter mit den medizinischen Utensilien vertraut und fange bei einem Schlauch zur Intubation an zu grinsen. Wie hatten sie vor einem Jahr alle ein angewiedertes Gesicht gezogen als Thomas Reiter davon erzählte, dass jede Crew auf der ISS mindestens ein Crewmitglied hat, was zuvor drei Monate auf einer Notfallstation im Krankenhaus gearbeitet und unter Umständen schon mal intubiert hat. Anhand meines Gesichtsausdrucks lies sich schon erkennen worauf ich heute hinarbeite. Mit dieser kleinen Exkursion in meine Vergangenheit, mache ich mich langasam auf dem Weg zum Militärgelände welches mit dem Flughafen Köln- Wahn verbunden ist. Doch leider viel zu spät, denn der A 380 ist schon auf dem Weg zur Startbahn. Ich nehme meine Beine in die Hand, doch es nutzt rein gar nichts. Denn in der Nähe des Raumfahrmedizinischen Instituts höre ich das Donnern von Triebwerken. Leise und tief, doch gerade deshalb unverwechselbar. "Sch......." weiter komme ich nicht, zu schön ist der Anblick der sich mir nun jetzt bietet. Der A 380 in seinem Element- in der Luft. "Unser Baby..", fährt es mir leise über die Lippen und mein Entsetzen verflüchtigt sich. Wie gebannt schau ich dem Riesenvogel der sich nun elegant in die Seite legt hinter her. Ein traumhafter Anblick. "Wooooow...." wie elektriesiert stehe ich eine Zeit lang da. Einfach faszinierend, als ich weiter laufe habe ich Schmetterlinge im Bauch und ich bin stolz auf unser deutsch- französisches Baby. Einfach ein berauschendes Gefühl, welches mit nichts zu vergleichen ist was ich kenne. Beflügelt setze ich nun meinen Weg fort und keines der Flugzeuge auf dem Flughafengelände ist vor meiner Kamera sicher. Wirklich keines am allerwenigsten Zero G, das Parabellflugzeug der ESA, auch Vormitcomet oder Kotzbomber genannt. Denn Null G vertägt nicht jeder, selbst so manchem Astronauten wird auf Parabellflügen schlecht. Was aber nicht bedeutet, dass ihm selbiges auf einer Mission im All passieren muss. Womit ich wieder bei den Astronauten wär. Ich gehe also wieder zum EAC, mit dem Vorsatz erst zum Raumfahrtmedizinischen Institut des DLR zu gehen wenn ich Autogramme von den sechs neuen Astronauten hab. Doch bin ich einem weiteren Vorsatz den ich eher im Hinterkopf belasse. Doch die Jungs- Jung- wie Altastronauten- und die Lady stehen auf der Bühne vor dem EAC, im Gespräch mit Joey Gritt Winkler von Welt der Wunder. Jeder der Astronauten unterschreibt auf ihrem Anzug, wohlgemerkt.. fast jeder. Hans Schlegel weigert sich. Und das aus einem Grund- kein Platz der im Bereich des zumutbaren wäre ist mehr frei. >> Na? Naaaa?<< Denke ich grinsend. Und natürlich belassen es beide dabei. Das ist Hans Schlegel. Ich schmunzel und höre den Gesprächen wie gebannt zu. Bis der Augenblick der Funkverbindung mit der ISS beginnt. Frank De Vinne der erste europäische Kommandant der ISS ist auf der Leinwand im Hintergrund schwebend zu sehen und der Funk zwischen ihm und Houston ist auch zu hören. Doch Köln versucht bisher vergebens sich in diesen Funk mit ein zu klinken. Kurzfristig ist der Funkverkehr dann zwischen Köln und der ISS aufgebaut aber dann funktioniert es dann doch nicht. "Is Houston sleeping or what?", fragt Joey Winkler mit einem breiten Grinsen und nur wenige Sekunden später meint Italiens Astronaut Paolo Nespoli, der als kurzfristiger Capcom fungiert, scherzhaft: "Frank, if you can hear us, cross your arms." Doch auch hier, keine Reaktion. Jedoch hat er die Lacher auf seiner Seite. Und jeder der Jungs hat ein magisches Lachen, ebenso wie die junge Lady- Samantha Cristoforetti. Europas einzige Frau im Astronautenteam. Ihr Italienischer Kollege Luca Parmitano, der Brite Timothy Peake, der Däne Andreas Mogensen, der Franzose Thoms Pesquet und Alexander Gerst als einziger Deutscher machen das neue Team komplett. Meine anfänglichen Bedenken gegen die neuen Astronauten sind beim ersten Blick auf das Sixtett Geschichte und erscheinen unbegründet. Sicherlich bin ich ein wenig neidisch, denn sie genießen ein Privilleg welches sich mir niemals erschließen wird: Sie werden zu Flügen ins All ausgebildet und die meisten von ihnen werden auch in naher Zukunft zu einer Mission ins All aufbrechen. Dennoch hellt sich mein Gesicht zu einem merklichen Strahlen auf. Schon jetzt ist sicher, dass ich meinen Freunden und Geschwistern noch lange mit diesem Tag auf die Nerven gehen werde (Leute, ich danke euch dafür, dass ihr Nerven wie Drahtseile habt :-* ). Die Konversation läuft überwiegend auf Englisch ab, welches Joey auf Deutsch übersetzt. Schlegel, Ewald und Gerst sind die einzigen die sie nicht zu übersetzen braucht. Am Ende der Gesprächsrunde verteilen sich unsere Jungs und die Lady wieder über das Gelände, allerdings hauptsächlich immer in der Nähe des EAC. Die Gelegenheit für mich. Erst gehe ich wieder in die große Trainingshalle des EAC und heimse Autogramme von fast allen neuen Astronauten ein- bis auf Thomas Pesquet natürlich- wäre ja auch zu schön gewesen endlich mal etwas Französisch anwenden zu können. Aber vielleicht soll es aus genau diesem Grund nicht sein. Denn mein Französisch ist für drei Jahre Unterricht ziemlich mieserabel und das Resultat wäre eine ziemliche Blamage. Ich trete also mit den Autogrammen auf meinem Terminplaner hinaus ins Freie. Dass ich dieses Heft nun immer in der Schule mit bei haben werde ist ebenso klar und auch beabsichtigt, denn so kann ich auch meine Hausaufgaben nicht mehr oder seltener vergessen. Als nächstes gehe ich in Richtung Bühne, in meiner Tasche meine Kammera, nun gibt es kein langes Überlegen, was ich jetzt tue hätte ich nicht so schnell für möglich gehalten. Ich wende mich an einen weiteren Besucher- der sich noch als Freund von Paolo Nespoli entpuppt- und bitte ihn um ein Foto von Paolo Nespoli und mir. Beide frage ich mit einem etwas verkrampften aber charmanten Lächeln, dessen Verkrampfung sich innerhalb von Sekunden löst und mich strahlen lässt. So nah, kommt man einem Astronauten selten, noch dazu einem italienischem.... . Und, ich habe Blut geleckt. Doch leider bekomme ich nur noch einen Astronauten dazu sich mit mir vor die Linse zu stellen, da der Rest mittlerweile in den Oberen und für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereichen des EAC aufhält. Aber dennoch bin ich froh Hans Schlegel zu erwischen. Den Mann den ich vor wenigen Jahren nicht ausstehen konnte. Der mir aber in gewissen Dingen nicht unähnlich ist. Es gibt hin und wieder Astronauten die verschwiegen und distanziert sind. Eigenschaften die ich auch an mir finde, insbesondere wenn ich mich in einer größeren Gruppe von Leuten aufhalte. Deshalb kann ich es auch kaum glauben, als dieser Mann einwilligt ein Foto mit mir zu machen. Nach diesem Foto genehmige ich mir erst einmal einen Crepé und schlendere dann noch mals gemütlich durch das EAC und darauf über das Gelände des DLR. Es ist warm an diesem Nachmittag und kaum bewölkt. Ich genieße die Wärme der Sonne und die Eindrücke um mich herum, ich versuche diesen Augenblick voll aus zu kosten, denn diese Besuche beim DLR in Köln sind sehr selten und auch immer zu schnell vorbei. Und eigentlich will ich diesen Ort nicht verlassen, ich will nicht zurück in meinen Alltag, auch wenn meine Familie und Geschwister auf mich warten. Ich beschließe nochmals kurz die Flugzeuge zu sehen und gehe zum Flughafengelände. Und so manches Flugzeug macht sich dann auch schon Startbereit. Ich laufe übers Rollfeld wieder zurück. Kerosin..- wie ich diesen Geruch doch liebe. Mit einer Prise Kerosin in der Nase laufe ich also langsam, aber wirklich langsam so, dass man bei mir meinen könnte ich laufe im Schneckentempo, Richtung Ausgang. Ich will nicht weg und doch muss ich. Denn am nächsten Tag steht Schule auf dem Plan. Alles sauge ich an Eindrücken in mir auf. Am Haupttor drehe ich mich nochmals um. "Auf Wiedersehn, egal was auch kommen mag." Ich drehe mich mit einem entschlossenen Lächeln zum Bus und steige ein. Eines ist sicher; die Raumfahrt hat mich wieder- und ich lass sie nicht noch einmal los. Und etwas weiteres ist klar- so manch einen überrasche ich in den nächsten Tagen dann doch mit den Mumm auf die Jungs zu gegangen zu sein.

1 Kommentar 25.10.09 01:31, kommentieren