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Tut sie`s oder tut sie`s nicht?

Es ist Freitag nachmittag kurz nach eins als ich den Bahnsteig betrete. Der Zug rollt ein und ich setze mich hinein. "Oberhausen ich komme." Wohl wissend was mich dort erwartet. Als ich in Oberhausen am Bahnhof ankomme stelle ich mit beinahe stoischer gelassenheit fest das mein Fahrplan nicht stimmt. Mein erster Gedanke, der Gasometer kann von hieraus nicht weit sein. Laufen? Nein kommt heute nicht in Frage, wenns zu lange dauert verpasse ich auf dem Rückweg vielleicht die Bahn und werde dafür dann von Lisa und Eileen ( Wir wollen noch auf eine Geburtstagsparty einer Freundin) den ganzen Abend aufgezogen. Also frage ich mich locker durch und steige in den nöchsten Bus zum Centro. Dort angekommen laufe ich richtung Gasometer.  Schon vom weiten ist auf dem riesigen Banner das Symbol des DLR zu erkennen. Mein Gesicht hellt sich auf. Gleich bin ich da. Dennoch bin ich relativ gelassen für das was mich erwartet, oder besser wen ich erwarte. Nämlich unseren deutschen Astronauten Thomas Reiter, mein größtes Vorbild. Nicht nur was die Raumfahrt angeht sondern auch in schulischer Sicht. Seine Präsentationen sind mir oft ein nützliches Beispiel und eine  große Hilfe sowie Inspiration. An seiner Art Präsentationen zu führen, locker, verständlich und mit einer extraportion Humor nämlich die jeden in seinen Bann zieht, orientiere ich mich nicht selten. Wenn dieser Mann wüsste wie viel ich ihm in dieser Hinsicht zu verdanken habe. XD Aber bevor ich vom eigentlichen Thema abkomme weiter im Text. Ich gehe also zum Gasometer runter, da ich noch etwas Zeit habe gehe ich in eine Seitenstraße rein. Mir entgegen kommen zwei Frauen mit ihren Hunden. Als sie schon lange an mir vorbei sind dreht sich eine der Frauen um und ruft den Namen eines ihrer Hunde. Um die Ecke gebogen kommt ein kleine schwarze Doge mit relativ kurzen Beinen, knurrend. Sie wackelt mit ihren viel zu kurz geratenen Beinen auf mich zu. Doch die Doge wird gleich von ihrer Besitzerin gerufen so dass er gerade noch an mir vorbei flitzt. Ein Grinsen kann ich mir bei diesem Anblick nicht verkneifen, nur mein Lachen muss ich bis zur nächsten Kurve zurück halten. Es ist viertel vor drei und ich begebe mich langsam wieder zurück zum Gasometer. In der Nähe höre ich einen Hubschrauber. Nein, Merbold wird keine Zeit haben Reiter mit einem Hubschrauber oder seinem Sportflugzeug weg zu bringen. Außerdem ist hier auch in der Nähe kein Flughafen. Den Gedanken verwerfe ich also gleich wieder. Dann betrete ich das Gelände des Gasometers. Nicht ohne auf die Autos die dort stehen im Vorbeigehen zu schielen. Obwohl ich das Kennzeichen der Rasteder nicht kenne. Schnell husche ich noch auf die Toilette, mit überlaufender Blase im Gasometer zu sitzen ist nämlich nicht gerade angenehm. Nach diesem Gang gehe ich in den Gasometer, da ich noch etwas Zeit habe schauch ich mir einen Teil der Ausstellung die ich dort schon gesehen habe an. Um kurz vor drei gehe ich wieder in den unteren Teil der riesigen Blechtonne. Einige Besucher sitzen dort schon auf ihren Stühlen. Und ich setze mich dazu. Und dann beginnt das warten. Fünf Minuten später ist klar unser Mann im All steht im Stau. Dafür ist für mich klar er kommt von der Arbeit, nämlich aus Köln. Mein Gedanke auf die Frage einer anderen Besucherin warum er denn ausgerechnet an einem Freitag nachmittag die Präsentation machen muss ist schlicht weg einfach. Wenn man vorher noch andere Termine hat und deutscher Starastronaut ist ergibt sich die Antwort auf diese Frage. Der Terminkalender ist schlichtweg überfüllt und das Ende vom Lied man kommt um viertel vor vier am Gasometer an statt um drei. Vorher aber meinten einige es besser wissen zu müssen und meinten:"Da kommt er!" Um dann gleich wieder sich umzu drehen und einsehen zu müssen das sie sich geirrt haben. Offensichtlich tat ich gut daran in gleich mehreren Krankenhäusern Praktikum gemacht zu haben, denn immer wenn jemand reinkam sah ich schon an der Sihulette, er ist es nicht. Denn Thomas Reiter ist bekanntlich auch keine zwanzig mehr und hat dem entsprechend auch eine andere Siluhette. Auch wenn er noch relativ fit ist und im Gegensatz zu meinem Vater, der ja im selben Alter ist, eine bessere Figur macht. Wie dem auch sei, um viertel vor vier traf er dann endlich ein. Bei mir von Nervosität keine Spur als er eintrat im Gegenteil!Ich fühlte mich pudelwohl.  Und Thomas Reiter war charmant wie immer und entschuldigte sich erst mal für seine verspätete Ankunft. Dann stellte er seine letzte Mission vor. Astrolab. Das meiste kannte und wusste ich schon. Doch das einer der Astronauten die auf der ISS immer zu dritt sind auf der Notaufnahme eines Krankenhauses drei Monate schuften musste, wusste ich nicht. Und dies sei Pflicht um dort oben mit einer Crew von drei Mann für ein halbes Jahr dort zu bleiben. Er gab nur das Beispiel Intubation an und ausnahmslos alle Anwesenden schrien iiiiiiiiii.! Ich allerdings saß da und sagte:"Cooooool" Dank meiner damaligen Medizinlehrerin war ich schon abgehärtet und interessierte mich seither insbesondere für Medizin und Raumfahrtmedizin. Kein Wunder also das ich begeistert war. Genauso wie von den Bildern des Wiedereintritts einer Sojuz in die Atmosphäre. Ein Film den Reiter von der ISS aus aufgenommen hat. Klar das ich meinen Mund nicht mehr zu bekam.  Es sah einfach phantastisch aus. Ich dachte nur, ich könnte Stunden lang zu hören. Das am Abend noch eine Fete anstand daran habe ich in diesen Moment gar nicht mehr gedacht. Erst als Thomas Reiter den Vortrag beendete und ich auf die Uhr sah, war ich mir nicht sicher ob ich bis viertel vor acht zu hause sein könnte um meine Freundinnen zu treffen. Egal, sie werdens mir schon verzeihen wenn ich mit einem Autogramm von Thomas Reiter ankomme. Doch dann wurde ich doch nervös als ich plötzlich vor ihm stand, erst allerdings ein wenig. Er gab mir ein Autogramm und ich fragte ihn wie es denn mit der Raumfahrtmedizin aussähe. Und ob man dazu wirklich eine Fluglizenz braucht. Und auf einmal war ich mit ihm im Gespräch Und dann kam mir der Gedanke. Weißt du was du da gerade tust?- Du sprichst mit Thomas Reiter! Und wirst noch nicht mal rot! Bäännng! Das wars hätte ich das mal lieber nicht gedacht. Ich merkte nur das ein komisches Gefühl mein Gesicht hinauf stieg. Und hoffte nur das ich in diesem Moment nicht rot werden würde. Aber seine Antwort war mir wichtiger als die Frage ob ich rot geworden bin oder nicht. Denn die Antwort lautete, nein es gibt auch Raumfahrtmediziner die keine Fluglizenz haben. Eine Antwort die mich eine Woche später in den frühen morgenstunden wo mich ein Schwindelanfall für den Vormittag schachmatt setzen würde, beruhigen würde. Und gerade wegen dem Schwindelanfällen die mich jedes Jahr in der ersten Jahreshälfte gen Sommer heimsuchen, stellte ich diese Frage. Es war mir wichtig zu wissen ob ich als Raumfahrtmedizinerin ohne Fluglizenz überhaupt eine Chance habe zum DLR zu kommen. Und seine Antwort beruhigte mich ungemein und ich konnte mich auf meinen weiteren Weg konzentrieren, denn ich hatte eine Sorge weniger. Als ich aus dem Gasometer heraus kam, hätte ich jubeln können. Denn ich hätte nie gedacht das ich das was ich da gerade eben getan hatte wirklich tun würde. Denn noch am Abend zu vor hatte ich einwenig Muffensausen vor diesem Moment. Ich ging, fast im Laufschritt an den anderen vorbei zum Ausgang des Geländes und als ich unter der Brücke her war rannte ich zum Centro. Ich hatte so viel Adrenalin im Blut, das ich noch nicht mals außer Puste dort an kam. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Einfach, wow. Wozu Drogen nehmen, wenn man seinem Vorbild gegenüber stehen kann? Dacht ich mir. Und ich war high fürs ganze Wochenende. Und auf der Geburtstagsparty war auch eigentlich kein Alkohol mehr dazu nötig. Höchstens um mich von meinem berauschenden Trip wieder runter zu holen.

1 Kommentar 27.4.08 15:50, kommentieren